Internationales Jazzfestival Saalfelden 22.-25. August 2013
Imposante Bergkämme, glasklare Luft und Jazz – eine verlockende Kombination für alle Musik- und Gebirgsliebhaber, die sich schon seit Jahren bewährt. Das Jazzfestival in Saalfelden Leogang, inmitten der Salzburger Bergwelt, hat sich in den vergangenen 33 Jahren einen hervorragenden Ruf für zeitgenössischen und experimentellen Jazz erarbeitet.
Internationales Jazzfestival Saalfelden

Thursday
time concert stage page
18:30 Bevano Est CityStage 28
20:00 Lungau Big Band feat. Uroš Perić CityStage 28
21:30 Crème Proleau ShortCuts 22
23:00 Plutino ShortCuts 22
Friday
time concert stage page
12:30 Tony Malaby | Tom Rainey ShortCuts 23
14:00 Keiji Haino | Franz Hautzinger ShortCuts 24
15:30 Polkabjørn & Kleine Heine Deluxe Edition CityStage 28
17:00 Budzillus CityStage 29
19:00 David Helbock’s Action Figures MainStage 6
20:30 Marc Ducret MainStage 6
Pause | Intermission (21:30 – 22:30) –
22:30 Scott Colley Quintet MainStage 7
24:00 Omaha Diner MainStage 8
Saturday
time concert stage page
09:30 Donauwellenreiter CityStage 29
11:00 Municipale Balcanica CityStage 29
11:00 Polkabjørn & Kleine Heine Budget Edition Almkonzerte 31
11:00 Harry Sokal Almkonzerte 31
12:30 Rupp | Müller | Fischerlehner ShortCuts 24
14:00 Han Bennink | Uri Caine ShortCuts 25
15:30 Jacob Fred Jazz Odyssey MainStage 9
17:00 John Medeski MainStage 9
18:30 Franz Hautzinger MainStage 10
Pause | Intermission (19:30 – 21:30) –
21:30 Wadada Leo Smith MainStage 11
23:00 Iiro Rantala String Trio MainStage 12
00:30 Jon Madof MainStage 13
Sunday
time concert stage page
11:00 IRISHsteirisch Almkonzerte 31
11:00 Brasentina Almkonzerte 31
11:00 Kinderkonzert: Der Pilot Herr Fridolin Kinderbühne 26
14:00 Christian Lillinger’s Grund MainStage 14
15:30 Reijseger | Fraanje | Sylla MainStage 14
Pause | Intermission (16:30 – 17:30)
17:30 Angles 10 MainStage 15
19:00 Brandon Ross MainStage 16
20:30 The Uri Caine Ensemble plays Gershwin MainStage 17
CityStage // Rathausplatz
MainStage // Congress Saalfelden
ShortCuts // Kunsthaus Nexus
Almkonzerte
22:30)
22:30 Scott Colley Quintet
24:00 Omaha Diner
Saturday, 24.8.
15:30 Jacob Fred Jazz Odyssey
„The Race Riot Suite“
17:00 John Medeski
„A Different Time“
18:30 Franz Hautzinger
„Big Rain“
Pause/Intermission (19:30-21:30)
21:30 Wadada Leo Smith
Golden Quartet
& Pacifi ca Red Coral
„Ten Freedom Summers“
23:00 Iiro Rantala String Trio
00:30 Jon Madof
„Zion 80 – Jewish Afro Beat“
Sunday, 25.8.
14:00 Christian Lillinger’s Grund
„Second Reason“
15:30 Reijseger | Fraanje | Sylla
„Down Deep“
Pause/Intermission (16:30-17:30)
17:30 Angels 10
19:00 Brandon Ross
„Blazing Beauty“
20:30 The Uri Caine Ensemble
plays Gershwin
David Helbock ist der erste Pianist
seit Lonnie Liston Smith, der seine
Gedächtnishalle mit Wirkware verziert.
Die kann gehäkelt oder gestrickt
sein. Ähnlich offen ist der Vorarlberger
bezüglich seiner musikalischen Präferenzen.
Das hat seine eindrucksvolle
CD „Purple“ gezeigt, auf der er
ausschließlich Kompositionen von
Prince in neue Dimensionen katapultierte.
Der schon jetzt hochdotierte
29-Jährige, der anstrengungslos zwischen
Kulinarik und Widerborstigkeit
changiert, wird mit einem Quartett mit
u.a. dem amerikanischen Saxofonisten
Tony Malaby eröffnen.
David Helbock is the fi rst pianist since
Lonnie Liston Smith to adorn his cranium
with wool hats. It doesn’t matter
whether they’re crocheted or knitted:
anything goes. The native Vorarlberger
is just as open in his musical preferences.
His impressive CD “Purple”
is a case in point. It consists exclusively
of compositions by Prince that
he catapults into new dimensions.
Already highly acclaimed at age 29,
Helbock, who alternates with ease
between crowd-pleasing fare and
more challenging numbers, will open
with a quartet featuring American
saxophonist Tony Malaby and others.
Drei Perspektiven – eine Geschichte.
Was Vladimir Nabokov in
seinem Roman „Ada“ an Spiel mit
literarischen Erzählweisen, Perspektivenwechsel,
Rückblicken und
Querverbindungen erschaffen hat,
setzt Marc Ducret in musikalischer
Form um. Zwölf Musiker bilden
drei verschiedene Ensembles, nur
der Gitarrist Marc Ducret gehört allen
dreien an. Jedes für sich nimmt
einen eigenen Standpunkt ein. Unter
dem Titel „Tower Bridge“ fi ndet
die große Union statt, ein ausdifferenziertes
und hochspannendes
Konglomerat an Ideen, Motiven
und Kommentaren in einer hochkarätigen
Besetzung.
Three Perspectives – One Story
Marc Ducret accomplishes in musical
form what Vladimir Nabokov
created in his novel Ada by playing
with literary styles of storytelling,
shifts in perspective, fl ashbacks,
and interlinkages.
Twelve musicians form three different
ensembles, each with a distinctively
unique take; only guitarist
Marc Ducret belongs to all three.
The big union occurs in the project
Tower Bridge, a diversifi ed and
fascinating powerhouse of ideas,
motifs, and commentaries with
prominent personnel.
Wer in der Vergangenheit Scott
Colley als Bassisten in der Band
hatte, war gewappnet gegen alle
Unbilden harmonischer Nebelbildung.
Diesen Philosophen des
tiefen Brummelns sicherten sich
immerhin Granden wie Dizzy Gillespie,
Carmen McRae, Jim Hall
und Andrew Hill. In den letzten
Jahren hebt Colley mit eigenen
Formationen in den Nachthimmel
ab. Der Mann beherrscht sämtliche
Spielarten des reschen Jazz,
Drei Perspektiven – eine Geschichte.
Was Vladimir Nabokov in
seinem Roman „Ada“ an Spiel mit
literarischen Erzählweisen, Perspektivenwechsel,
Rückblicken und
Querverbindungen erschaffen hat,
setzt Marc Ducret in musikalischer
Form um. Zwölf Musiker bilden
drei verschiedene Ensembles, nur
der Gitarrist Marc Ducret gehört allen
dreien an. Jedes für sich nimmt
einen eigenen Standpunkt ein. Unter
dem Titel „Tower Bridge“ fi ndet
die große Union statt, ein ausdifferenziertes
und hochspannendes
Konglomerat an Ideen, Motiven
und Kommentaren in einer hochkarätigen
Besetzung.
Three Perspectives – One Story
Marc Ducret accomplishes in musical
form what Vladimir Nabokov
created in his novel Ada by playing
with literary styles of storytelling,
shifts in perspective, fl ashbacks,
and interlinkages.
Twelve musicians form three different
ensembles, each with a distinctively
unique take; only guitarist
Marc Ducret belongs to all three.
The big union occurs in the project
Tower Bridge, a diversifi ed and
fascinating powerhouse of ideas,
motifs, and commentaries with
prominent personnel.
Whenever Scott Colley is bassist
in a band, you can be sure that you
won’t encounter any traces of foggy
harmonies. It’s not for nothing
that greats like Dizzy Gillespie,
Carmen McRae, Jim Hall, and
Andrew Hill have signed him on to
supply the riffs and grooves. In the
past few years, Colley has been
lifting off into the night sky with his
own formations. The man masters
every form of crisp, clean jazz, with
a special penchant for abstraction.
er liebt die Abstraktion. Kein Wunder,
seine erste Langspielplatte
war „Underground“ von Thelonious
Monk, ein Meisterwerk der
geistigen Expansion bei gleichzeitiger
extremer musikalischer
Ökonomie.
Charlie Hunter – guitar
Bobby Previte – drums
Friday, 23.8.
No wonder – his fi rst LP was “Underground”
with Thelonious Monk,
a masterpiece of mental expansion
paired with extreme musical
minimalism.
Wenn sich das Quartett mit Humor,
Respektlosigkeit und technischer
Brillanz bekannte Pop-
Songs zum Thema erwählt, muss
das nicht notwendigerweise in
eine Parodie münden. Omaha
Diner halten ihre Absicht in der
Schwebe: zwischen ironischer
Hommage und lustvoller Dekonstruktion,
zwischen Erkennbarkeit
und Verfremdung. Wie beim
alten, hinlänglich bekannten
„Standards“-Prinzip wird aus dem
Zeichensatz des Kommerziellen
plötzlich eine raffi nierte, freie
Form der Kunst. Nichts weniger
gelingt der Band, als ein Gegengift
zur so erfolgreich grassierenden
Verpoppung des Jazz. Denn
er wird noch kultiviert: der Geist
des Widerständigen.
Ein bisserl schade ist es schon,
aber tatsächlich heißt keiner der
Protagonisten dieses wüsten Projekts
Jacob Fred. Im Zentrum steht
Brian Haas, ein Killer auf dem Fender
Rhodes Piano, der als einziges
Gründungsmitglied seit 1994 dabei
ist. Er und seine Mannen orientieren
sich an der geistigen Frische
von legendären Acts wie Sun Ra,
Larry Young und Cecil Taylor. Ihre
abenteuerliche Musik fi epst und
ziepst, hat vor allem den gewissen
Pepp, der nötig ist, um die Brisanz
der heutigen Welt zu refl ektieren.
Hier ist Jazz keine akademische
Übung, hier wird er wesentlich.
Wenn ein genialer Ensemble-
Spieler wie John Medeski sich
als Solo-Künstler präsentiert, darf
man mit Überraschungen rechnen.
Schließlich kann er jetzt unbeirrt
von Ensemble-Ansprüchen
seinen individuellen Entwurf einer
ideenreichen, rhythmisch vielschichtigen
Improvisationsmusik
realisieren. Tatsächlich zeigte sein
Solo-Album, mit welcher Präzision
er sein Spiel nuanciert, mit welchem
Klangfarbenreichtum er die
Stücke ausgestaltet. Obwohl sie
eine gewisse Ruhe ausstrahlen,
geraten sie doch nie in die Nähe
einer reinen, tönenden Innerlichkeitsschau.
Es ist schließlich die
Musik, die im Zentrum steht – nicht
das Ich.
Was Hautzinger hier zum Debut
zusammenruft, ist schon auf den
ersten Blick ein schillerndes Gefüge
aus Musikern, die alle auf
höchst individuellen Pfaden erfolgreich
wandeln. In Keiji Haino
fi ndet sich ein Stilpluralist erster
Güte, Hamid Drake ist als Perkussionist
auf drei Kontinenten zuhause, und Jamaaladeen Tacumas
äußerst eigenständiges
Bassspiel kann Funk-Nuancen
genauso wie fast gitarristische
Feinsinnigkeiten in den Raum
werfen. Nicht zuletzt Hautzinger
selbst, der die klanglichen Möglichkeiten
seines Instruments
immer wieder in neue Sphären
treibt.
Es erscheint heute also doch
noch möglich, den Jazz in einen
politischen Kontext zu stellen,
jenen Impuls wieder aufzugreifen,
der die Situation der Afro-
Amerikaner in den USA refl ektiert.
Der Trompeter Wadada Leo
Smith erinnert mit seinem Projekt
„Ten Freedom Summers“ an die
Kämpfe und Errungenschaften
der Bürgerrechtsbewegung – liefert
zugleich aber auch einen
hoch-aktuellen, brisanten Kommentar
zur Gegenwart. Seine
Strategie nutzt dabei nicht mehr das formsprengende freie Spiel,
das einst für eine Aufbruchsbewegung
stand, sondern stattdessen
die Spannungen zwischen
formaler Strenge und individuellem
Freiraum.
Längst erwartet man von einer
Geige und einem Cello nicht
mehr, sich ausschließlich artig
mit „ernster“ Musik zu beschäftigen.
Großartige Arrangements
von Musik aller Sparten sind
dafür geschrieben und damit gespielt
worden, und es steht außer
Frage, dass man mit ihnen
genauso gut improvisieren kann
wie mit jedem anderen Instrument.
Dass aber ausgerechnet
ein Streichtrio den Weg auf die
Jazzbühnen fi ndet, ist schon eine
Besonderheit. Es geht nicht nur
lyrisch zu bei dem fi nnischen Pianisten
Iiro Rantala, immer technisch
brillant und musikalisch
höchst phantasievoll und kreativ!
Es ist mittlerweile schon eine
eigene Tradition, Elemente der
traditionellen jüdischen bzw.
sephardischen Musik an der
Improvisationswirklichkeit des
Jazz oder jener der avancierten
Rockmusik zu brechen. Gerade
im Umfeld der New Yorker Downtown-
Szene blühen jene Hybridformen,
die der Gitarrist Jon
Madof mit „Zion 80“ um neue Aspekte
erweitert: die stärkere Einbeziehung
afrikanischer Rhythmen
und den Groove-Vitalismus
des Funk, die die Band sich gewitzt
aneignet und selbstbewusst
umdeutet. Die Arrangements
sind komplex – und doch lebt in
ihnen eine nachdrückliche Lust
am reinen, direkten Spiel.
Christian Lillinger wird spätestens
seit seinem Projekt „Grund“, das
bereits in die zweite Runde – „Second
Reason“ – geht, als Newcomer
und hoffnungsvolles Licht am
Jazzhimmel gefeiert. Auffällig an
dieser Musik ist die spielerische
Durchlässigkeit. Kein Überfrachten,
kein Vortäuschen, kein Protzen.
Ein Vibraphon, ein Klavier,
zwei Saxophone, zwei Kontrabässe
und ein Schlagzeug ergeben einen
schlanken, eleganten Ensembleklang,
der in jedem Augenblick
die Spannung hält.
Der holländische Cellist Ernst
Reijseger ist mit seinem Faible
für Improvisation Stammgast auf allen anspruchsvollen europäischen
Bühnen. Nun hat er nach
seiner legendären Zusammenarbeit
mit den sardischen Sängern
Concordu e Tenore de Orosei ein
neues Weltmusikprojekt gestartet.
Gemeinsam mit dem Pianisten
Harmen Fraanje und dem senegalesischen
Sänger Mola Sylla hat
er Lieder von intensiver Emotionalität
geschaffen, die allesamt in
den individuellen Erfahrungen der
Spieler ihre Basis haben. Hier geht
es um mehr als bloß um gehobene
Unterhaltungsmusik, hier wird
Existenzielles verhandelt.