Gerhard Schaffer ist Berufsjäger. Seit zehn Jahren ist er in Thumersbach-Erlberg unterwegs, kennt jeden Weg, jeden Steig, fast jeden Baum. „Es gibt hier wunderschöne Familienwanderwege in Richtung Hundstein, die von Einheimischen und Gästen gern gegangen werden. Von diesen höre ich immer mehr Klagen über Biker auf Wanderwegen und sehe diese auch selbst.“ Er folgert: „Das kann es nicht sein.“

Für Biker gibt es in diesem Gebiet zwei gut ausgeschilderte Routen – von Bruck über die Erlhofplatte nach Thumersbach bzw. von Bruck oder Thumersbach zum Hundstein. Für alle anderen Wege gilt ein Fahrverbot. Das werde jedoch zunehmend missachtet, sagt Schaffer, der für die Bezirkshauptmannschaft Zell am See auch als Landeswachorgan tätig ist: „Unzählige Biker sind unterwegs. Das Schlimme ist, dass viele wie Downhiller herunterrasen. Sie fahren ohne Rücksicht, springen über Wege, gefährden damit die Wanderer und auch sich selbst – und nicht zuletzt stören sie auch das Wild.“ Immer wieder versuche er ruhig aufzuklären. „Viele akzeptieren es, aber von vielen werde ich beschimpft, das ist unglaublich.“
Als Übel ortet Schaffer ausgerechnet Tourguides. „Sie sind oft mit ganzen Gruppen unterwegs. Dabei sollten gerade sie Verantwortung gegenüber der Natur und ihren Gästen zeigen. Was ist, wenn auf diesen illegalen Routen etwas passiert? Sie bewegen sich auch rechtlich in einer gefährlichen Zone.“
Mit Sorge beobachtet auch Bezirksförster Stefan Herzog das Treiben. „Biker erschrecken das Wild, bringen es in Stress, es zieht sich zurück, traut sich nicht auf die Äsungsflächen. Dann verbeißt es Jungbäume, schält Fichten, diese werden faul und brechen ab. Das ist natürlich ein wirtschaftlicher Schaden für die Waldbesitzer.“ Die Biker brächten sich selbst auch in Gefahr, wenn sie in hohem Tempo die Forststraßen hinunterbolzten. „Was ist, wenn hinter einer Kurve ein Auto mit einem Seilzug steht, um Holz wegzubringen?“ Verdrängungswettbewerb mit vielen Verlierern Es gebe viele offizielle Routen, von diesen werde aber oft abgezweigt. „Viele wollen nicht zwei Mal denselben Weg fahren, also wird etwa vom Hundstein illegal über Wanderwege. zur Schwalbenwand oder zur Stoffenalm nach Thumersbach abgefahren, oft auch im freien Gelände.“ So mancher Wanderer nütze diese Wege nicht mehr und gehe eigene Routen.
„Dadurch dringt der Mensch immer mehr in die Ruhezonen der Tiere ein, das ist eine Kettenreaktion, einer verdrängt den anderen.“ Die letzten seien die Tiere, im besagten Gebiet das Rotwild sowie auch Birk- und Auerwild, sagt Schaffer. Erschreckte Tiere legen auf der Flucht oft kilometerlange Distanzen zurück, bekäme großen Stress. „So ein Biker taucht ja plötzlich auf, Bremsen quietschen, irgendwas klappert.“ Wanderer hingegen näherten sich langsam, das Wild könne sich darauf einstellen.
Er werde immer wieder von Wanderern aufgefordert, etwas gegen die Radfahrer zu unternehmen, sagt Schaffer. „Meine Aufgabe als Wachorgan ist: die Bevölkerung informieren und aufklären. Ich möchte niemanden anzeigen, nicht mit der Polizei drohen, aber es muss etwas geschehen. Platz ist für alle da, aber nur, wenn alle sich an Regeln halten, funktioniert’s.“
[www.salzburgerwoche.com] Für Biker, vor allem Downhiller, gebe es hervorragende Trails in Kaprun, Saalbach, Leogang oder am Wildkogel in Neukirchen. „Und es gibt vorbildliche Karten des Tourismusverbandes, die Mountainbike-Routen genau erläutern.“
Schaffer und Herzog setzen auf Information und hoffen auf die Vernunft der Biker, „sonst müssen wir halt mit der Polizei ins Gelände gehen“. Und sie wissen: „Dieses Problem gibt es im gesamten Pinzgau.“